AUF DER DURCHREISE

Durch die beste aller möglichen Welten

Das ist mir zu extrem

Ab und zu fragt mich meine Frau etwas und dann wird es meist schwierig, vor allem, wenn es um Entscheidungen geht.

Um was geht es diesmal? Meine Frau will es jetzt wissen: Sag mal, was ist eigentlich rechtsextrem oder linksextrem - ich bin jetzt gefragt worden, ob ich bei den Omas gegen Rechts oder den Omas gegen Links mitmache und da muß ich ja wissen, was das ist.
Da haben wir den Salat, dachte ich. Bis jetzt sind wir so einfach durch die Welt gekommen, ohne uns Gedanken darüber zu machen. Man war für oder gegen das Eine oder Andere, ohne darüber nachzudenken, ob das jetzt rechts oder links ist. Und das hat eigentlich immer hingehauen, keiner hat gefragt, ob das rechtes oder linkes Gedankengut ist. Aber irgendwann ist halt die Stunde der Wahrheit.

Was tun? Man will ja auch keine falsche Entscheidung treffen, gerade bei diesem Thema. Da wäre eine Autorität gut, auf die man sich zurückziehen kann, dachte ich mir - und es viel mir (naheliegend!) das Bundesamt für Verfassungsschutz ein:

Der Rechtsextremismus stellt in Deutschland kein ideologisch einheitliches Phänomen dar; vielmehr tritt er in verschiedenen Ausprägungen chauvinistischer, rassistischer und antisemitischer Ideologieelemente hervor, woraus sich unterschiedliche Zielsetzungen ab- bzw. herleiten. Wesentliche Kernelemente rechtsextremistischer Überzeugung sind allerdings die Ablehnung des Gleichheitsprinzips der Menschen und die damit verknüpfte Überbewertung deren ethnischer Zuordnung. Neben diesen vorherrschenden Ideologiefragmenten verbindet Rechtsextremisten in aller Regel ihr autoritäres und identitäres Staatsverständnis. Danach verschmelzen Staat und Volk im Sinne einer angeblich „natürlichen Ordnung“ zu einer Einheit. Diese Vorstellung von Staat, Nation und Gesellschaft basiert auf einem „völkischen Kollektivismus.
Neben dem rechtsextremistischen Parteienspektrum, Neonazis sowie subkulturell geprägten Rechtsextremisten können Teile der Neuen Rechten dem Phänomenbereich zugerechnet werden. Indikatoren, die die Einordnung einer Person als rechtsextremistisch vermuten lassen, können vielfältig sein und bemessen sich an der Extremismusintensität des Personenzusammenschlusses bzw. der Person selbst. Gemeint ist damit das Ausmaß der Negierung einschlägiger Normen und Regeln einer offenen Gesellschaft sowie des demokratischen Verfassungsstaates. (Quelle)

und

Linksextremismus ist ein Sammelbegriff für alle gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichteten Bestrebungen, die auf einer Verabsolutierung der Werte von Freiheit und (sozialer) Gleichheit beruhen, wie sie sich insbesondere in den Ideen von Anarchismus und Kommunismus ausdrücken. So wollen Linksextremisten die bestehende Staats- und Gesellschaftsordnung und damit die freiheitliche demokratische Grundordnung beseitigen.
An deren Stelle soll ein kommunistisches System beziehungsweise eine „herrschaftsfreie“, anarchistische Gesellschaft treten – je nach ideologischer Ausrichtung mit dem Sozialismus als Übergangsphase. Zur Erreichung ihrer Ziele sind Linksextremisten grundsätzlich auch bereit, Gewalt einzusetzen. Diese rechtfertigen sie als angeblich notwendiges Mittel in der politischen Auseinandersetzung, um sich so gegen ein vermeintliches System von Zwang, Ausbeutung und Unterdrückung wehren zu können. (Quelle)

»Da steh' ich nun, ich armer Tor, Und bin so klug als wie zuvor!« (wie der Altmeister sagt). Das ist ja erst mal Stoff für reichlich Überlegung! Nach erstem Überfliegen sollte meine Frau sowohl den Omas gegen Rechts als auch den Omas gegen Links beitreten. Ich brauchte noch eine zweite Meinung; auf zur Bundeszentrale für politische Bildung:

Wer Rechtsextremismus definieren und abgrenzen will, steht vor dem Problem, dass der Begriff sowohl normative als auch analytische Funktionen erfüllt und sehr unterschiedlichen Logiken gerecht werden muss. Es gibt daher keine einheitliche Definition des Rechtsextremismus. Stattdessen gibt es verschiedene Konzepte, die sich teilweise ergänzen, aber auch widersprechen können. In der Praxis konstruieren sowohl Sicherheitsbehörden, Medien und Politik als auch Akteure in Wissenschaft, Bildung und sozialer Arbeit den gesellschaftlichen Blick auf das Phänomen. Während Erstere oft strengere und sehr trennscharfe Definitionen bevorzugen, tendieren Letztere zu breiter gefassten Ansätzen, die auch Graubereiche in den Blick nehmen.
[...]
Erschwerend kommt hinzu, dass es sich beim Rechtsextremismus um ein hybrides Phänomen mit unscharfen Grenzen handelt, das sich immer wieder an neue gesellschaftliche Entwicklungen und Medienöffentlichkeiten anpasst. (Quelle)

und

Linksextremismus wird von den Sicherheitsbehörden wie folgt definiert: "Linksextremismus ist ein Sammelbegriff für alle gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichteten Bestrebungen, die sich insbesondere in den Ideen von Anarchismus und Kommunismus ausdrücken. Allen gemeinsam ist, dass die von ihnen als 'Kapitalismus' und 'Obrigkeitsstaat' bezeichnete bestehende demokratische Staats- und Gesellschaftsordnung als Ursache aller vorhandenen Missstände gilt und deshalb im Wege einer gewaltsamen Revolution abzuschaffen ist. Zentrales Ziel ist, zunächst eine sozialistische Ordnung zu schaffen, um von dieser ausgehend letztlich ein klassenloses kommunistisches System zu errichten. Die Anwendung von Gewalt wird in einer selbst zu definierenden revolutionären Phase für legitim und unverzichtbar angesehen. Es handelt sich demnach um Bestrebungen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichtet sind und die von ihr vertretenden Werte wie Freiheit und Gleichheit abschaffen wollen. (Quelle)

Schwierig, schwammig. Anscheinend wissen die Experten auch nicht so recht - ein hybrides Phänomen mit unscharfen Grenzen - was soll ich meiner Frau da raten? Ist ja Beides abzulehnen - liegt die Wahrheit in der Mitte (zumindest habe ich noch nicht gehört, dass jemand 'mittigextrem' sei)? Aber die Mitte scheint es ja, anders als noch vor Jahren, gar nicht mehr zu geben. Vor Jahren haben sich die Parteien noch um die Wähler aus der Mitte der Gesellschaft bemüht, aber davon habe ich schon eine Weile nichts mehr gehört. Times are changing ...

Ich werde meiner Frau raten, sich den Omas für die Mitte anzuschließen. Alles andere wäre mir zu unbestimmt. Aber vielleicht ist das ja gewollt?

⌨ von: Passant ⚖ (Keine Mitwirkung von KI // no AI involved)

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